"Der Erste Alleinflug", oder auch "Die Fliegende Katastrophe Im Alleingang"
Es war ein schöner Samstag, als ich an einem Septembermorgen zum Segelflugplatz gefahren bin.
Es war zwar keine kleine Wolke in Sicht, aber dass war mir in dem Moment auch nicht mehr so wichtig, da jetzt vor allem Starten und Landen Lernen angesagt war. Die letzten Flüge liefen schon ganz gut, und so langsam kam die Hoffnung auf, vielleicht doch noch dieses Jahr den 1. Alleinflug zu packen. Ich dachte an unseren Jugendleiter, der mich noch ermahnte, spätestens am Sonntag allein zu fliegen. Ich hab' ihm versichert, dass es bei mir wohl noch dauern würde. Ein Irrtum, wie sich allzu bald feststellen lassen sollte.
Schließlich am Flugplatz Dachau-Gröbenried angekommen, hab' ich mich unverzüglich daran gemacht, beim Flugbetrieb zu helfen. Nach kurzer Zeit hieß es dann auch schon: "Du bist dran." - "Dann zeigen wir mal, was wir schon können", denk ich mir.
Doch nach diesen drei Flügen die Ernüchterung. Die Landungen waren hundsmiserabel und der Freiflug schien in weiter Ferne. Doch es sollte noch dicker kommen. Ein Flugschüler, der seit zwei Jahren mit von der Partie war fliegt genau an diesem Tag frei. Ich freue mich für ihn, er ist einfach ein Pfundskerl und hat es sich verdient. Als er dann alleine in den Himmel aufsteigt, denke ich mir allerdings bloß: "Wie gerne wäre ich jetzt das da oben!" und schau im sehnsüchtig nach. Nachdem unser Freiflieger erfolgreich seinen dritten Flug absolviert hat, war nun wieder ich an der Reihe. "Wir machen jetzt noch den Langsamflug." meinte mein Fluglehrer, da dies noch ein ausstehender Punkt bei meiner Ausbildung war. Mit neuem Mut habe ich diesen Flug gemeistert, und nach der Landung sagt mein Ausbilder zu mir: "Wir machen jetzt noch einen Flug, und Du versuchst jetzt noch mal die Landung etwas sanfter zu gestalten." Und tatsächlich, diese Landung war gut. Ein Gefühl der Freude machte sich breit. Doch nicht alles verlernt seit der letzten Woche. Ich hatte wieder mein Ziel vor Augen, als mich mein Fluglehrer fragt: "Starten und Landen haben gepasst, Platzrunde hast Du gut geflogen. Was meinst Du, schaffst Du das auch alleine?" - "Ich kann's probieren...", bringe ich nach einer Schrecksekunde heraus. "Dann probierst Du's!" sagte er bestimmt. Ich spüre, wie ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen kann.
Wieder am Start setze ich mich wieder in den treuen Vogel, der den melodischen Namen
"Bergfalke" trägt, diesmal allein. Mein Puls war leicht beschleunigt, durch die
Aufregung. Und dennoch war es ganz anders, als ich es mir immer ausgemalt habe. Ich ging
noch mal in aller Ruhe die Checkliste durch. Dann klappe ich die Haube zu, verriegle
sie... es geht los. "'44 Abflugbereit!" belle ich in das Mikrofon, und kurze Zeit
später sehe ich in der Ferne die Winde blinken, das Seil strafft sich. Noch einen
letzten Blick auf den Windsack, und da wird der "Bergfalke" auch schon angezogen. Nach
nur 30 Sekunden klinkt das Seil aus, und ich bin oben, alleine mit dem Element. Die
mittlerweile langsam untergehende Sonne wirft die Landschaft in ein traumhaftes Licht.
Ein einmaliges Erlebnis. Die Ruhe, die Friedlichkeit war wie Balsam für die
Aufregung. Langsam segle ich auf
Nun gilt es sich nur noch der randalierenden Meute zu stellen. Der Segler wurde wieder zur Halle gezogen, und anschließend hieß es, Taschen ausleeren und auf die Fläche legen. "Ein netter Brauch", denke ich mir, "kaum fliegt man alleine wird man massakriert." Sämtliche Anwesenden sind gekommen, um uns beiden Alleinfliegern mal so richtig den Hintern zu versohlen. Das war's dann wohl erstmal mit dem Sitzen.
![]() 778 kByte |
![]() 772 kByte |
Auf der Heimfahrt ließ ich dann noch mal das erlebte Revue passieren, und erfreute mich an dem schönen Sonnenuntergang.
1.1.2006
Text: Otto Gunkel
Fotos: Thomas Saffran

